Genussorte im Regierungsbezirk Oberfranken

SESSLACH

Frisch gebraut

1335 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer den Seßlachern das Braurecht. Seitdem wird unter der Regie der Stadt gebraut. Jeder bekommt Bier in dem Genussort in Oberfranken, sofern er bereit ist, es abzuholen und nach Hause zu tragen

FÜR ALLE

An jedem Freitag gilt in der Pfarrgasse: „Frei nur für Bierabholer“. Dort liegt das Kommunbrauhaus von Sesslach. Mit Malz aus der Rhön, Hopfen aus der Hallertau und aus Spalt sowie Seßlacher Wasser hat der städtische Brauer ein Jungbier gebraut. Zwischen 16 und 18 Uhr steht er mit einem Schlauch an einem Fenster und füllt die mitgebrachten Gefäße der Bierabholer. In Flaschen gab es das kommunale Bier nie.

Die historische Altstadt hat noch andere Höhepunkte: Die Seßlacher Filiale der Bäckerei „Schoder“ etwa befindet sich in einem Fachwerkbau aus dem frühen 17. Jahrhundert. Adolf Schoder backt hier knusprige Weizenbrötchen und Brote mit toller Kruste.

Die Altstadtmetzgerei „Franz“ wiederum stellt ihre Würste in einem etwa 300 Jahre alten Fachwerk-Giebelhaus her, und der Gasthof „Reinwand“ war schon im Mittelalter eine Wirtschaft.

Wer nicht in Seßlach lebt, hat im „Reinwand“ Gelegenheit, das kommunale Bier zu kosten. Es lagert nach der Abholung im Keller, bis es nachgegoren und klar ist. Auch der „Rote Ochse“ serviert das Bier zur fränkischen Küche.

Lage

Seßlach liegt zwischen Bamberg und Coburg, von dessen ICE-Bahnhof ein Bus abfährt. Wer es langsamer mag, erreicht die Stadt über Radwege und überregionale Wanderwege wie den Friedrich-Rückert-Weg, den Amtsboten- und den Lutherweg. Die Stadtmauer und die Altstadt von Seßlach sind beliebte Drehorte. Für den Spielfilm „Luther“ wurden hier Aufnahmen gemacht. Auch „Der Räuber Hotzenplotz“ spielt vor Seßlacher Kulisse.

HOCHPROZENTIG (Bild oben links)

Zum „Dressel-Hof“ im Ortsteil Gemünda gehört eine kleine Obstplantage mit Mirabellen, Quitten, Renekloden, alten Birnensorten und Schlehen. Aus den Früchten sowie Streuobst aus der Umgebung stellt Familie Dressel seit dem Jahr 1998 Edelbrände her. Sie werden im Hofladen verkauft, vom Apfelbrand bis zum Walnussgeist.

KÜCHE UND KELLER (Bild oben rechts)

Peter Mittag (l.) ist Chef des Gasthofes „Reinwand“. Werner Scharpf (M.) führt die „Brauerei Scharpf“ in Heilgersdorf. Sein untergäriges Märzen- und naturtrübes Zwickelbier gibt es in Scharpfs Gaststätte „Weißes Roß“ auch zum Mitnehmen. Karl Franz (r.) ist Wirt des „Roten Ochsen“. Von Januar bis Ende März baut seine Familie sonntags ein Kloßbuffet auf. Nach einer Leberklößchensuppe gibt es zum Braten selbst gemachte Klöße. Wer alles probiert, bewältigt womöglich keine einzige der fünf süßen Varianten zum Nachtisch – nicht mal einen Marillenknödel.

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