Genussorte im Regierungsbezirk Oberbayern

PRIEN AM CHIEMSEE

Irdisches Paradies

Einst glaubte man an zwei Paradiese, ein himmlisches und ein irdisches. Das irdische,der Garten Eden, versprach unendliche Genüsse und Kostbarkeiten. Drei wichtige Indizien sprechen dafür, dass es am Ufer des Chiemsees liegt

SEHNSUCHTSORT

Im Mittelalter war es beliebt, die Genesis so zu interpretieren, dass den Menschen zwei Paradiese versprochen sind: das himmlische Jerusalem und der irdische Garten Eden – der damit wirklich erreichbar sein müsste. Viele Reisende gingen auf die Suche, der Ort wurde mit der Zeit immer weiter östlich vermutet.

Ein Markt im Osten Bayerns kommt dem irdischen Glück nahe: Prien am Chiemsee. Der erste Beweis dafür ist königlich: „Es ist notwendig, sich Paradiese zu schaffen“, meinte Ludwig II. – und schuf eins davon auf der Insel Herrenchiemsee. Um zu seinem Inselschloss zu kommen, setzte er vom Örtchen Prien über. Zweiter Beweis: Ist nicht der Fischer ein edler Beruf mit biblischen Ursprüngen? In Prien versorgen Fischer uns mit paradiesischen Köstlichkeiten. Der dritte Beweis ist schwer zu fassen. Es ist dieser Zustand, wenn der Reisende etwa in der „Fischhütte Reiter“ am See sitzt, ein Helles und einen Stockerlfisch vor sich hat, die Sonne untergeht, die Berge eine Traumkulisse bilden und er denkt: Das könnte er sein, der Himmel der Bayern, das irdische Paradies.

Lage

Prien ist der größte Ort am Chiemsee und liegt mittig zwischen München und Salzburg. Der Markt ist sehr gut per Auto über die A 8, aber auch per Zug erreichbar. Die Schiffe der Chiemsee Schifffahrt bringen von hier aus Besucher unter anderem zur Insel Herrenchiemsee.

DIE FISCHERINNEN (Bild oben links)

Die 16 Fischrechte am Chiemsee werden von Generation zu Generation weitergegeben. Kathrin Reiter (hier mit Kollegin Verena Stephan) fuhr mit sechs Jahren schon mit ihrer Großmutter und ihrem Vater zum Fischen und verliebte sich in das sich immer wieder verändernde Antlitz des Sees. Als ausgebildete Fischwirtin setzt sie heute immer am Montagmorgen ihre Netze, fährt sie täglich ab oder setzt sie bei Bedarf um, wenn sie leer sind. Geräuchert und serviert werden die Renken, Brachsen, Karpfen und Forellen in der eigenen Fischwirtschaft, der „Fischhütte Reiter“ direkt am See.

GERÄUCHERT (Bild oben rechts)

Zwei bis drei Stunden werden die Fische in den mit Buchenholz befeuerten Räucheröfen behandelt. Sie werden mit Semmeln und Sahne-Meerrettich serviert. Geräucherte Brachse ist beliebt. Renken werden auch als Renkenmatjes angeboten. Im Chiemsee schwimmen etwa 25 Fischarten, darunter Renke, Brachse, Hecht, Aal, Waller, Zander, Barsch und Karpfen.

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