Genussorte im Regierungsbezirk Mittelfranken

BAIERSDORF

Verschärft gut

Rund um den Genussort Baiersdorf in Mittelfranken wird seit über 500 Jahren der traditionsreiche Kren angebaut – besser bekannt als köstlicher Meerrettich. So wurde der Ort zum verschärften Geheimtipp

VIELSEITIG

In den schönen Regnitz-Auen fühlt sich eine spezielle Pflanze besonders wohl: der Meerrettich. Im nährstoffreichen, wasserdurchlässigen Humusboden gedeiht er besonders gut. Die scharfe Wurzel wird als Gemüse, Gewürz und natürliches Antibiotikum in der Pflanzenheilkunde verwendet.

Verarbeitet wird sie im Traditionsbetrieb „Schamel“. Die Firma existiert seit 1846 und ist damit verantwortlich für die älteste Meerrettich-Marke der Welt. Dort wird der Kren zu feinen Fruchtaufstrichen, Saucen, Sahnemeerrettich und Senfsorten veredelt. Zusammen mit dem Heimatverein gründete die Firma das Meerrettich-Museum.

Nach dem Besuch bietet sich ein Spaziergang durch den historischen Ortskern an. Bei einer Radtour können Besucher außerdem durch die malerische Flusslandschaft des Regnitz-Tals strampeln. Vielleicht sehen sie dabei den letzten Baiersdorfer Meerrettich-Landwirt Gerhard Roß bei der Arbeit. Rund 1.000 Arbeitsstunden pro Hektar – so errechnet Roß den Aufwand für die pflegeintensiven Wurzeln. Aber so ist es eben. Diese Region lebt, liebt und atmet Kren.

Lage

Die Stadt Baiersdorf mit ihren etwa 7.800 Einwohnern ist das Eingangstor zur Fränkischen Schweiz und liegt am Fluss Regnitz, acht Kilometer nördlich von Erlangen und acht Kilometer südlich von Forchheim – sozusagen auf halbem Wege zwischen Nürnberg und Bamberg.

HARTE ARBEIT (Bild oben links)

Gerhard Roß bestellt 9,5 Hektar mit Kren – nebenberuflich. Es ist eine harte Arbeit, die Stecklinge über den Winter zu bringen, im April einzupflanzen, ständig zu beschneiden und die Stangen im November zu ernten. Aber er liebt sie: „Hier hast du deine Ruhe. Und du kannst weit schauen – von der Bahnhofsbrücke bis zum Speicherwald.“

KLASSIKER (Bild oben rechts)

So arbeitsintensiv sein Anbau ist, so einmalig ist die Geschmacksnote, die er Speisen verleiht. Typisch für die Region und der Renner auf jeder Hochzeit: zartes Rindfleisch in feiner Meerrettichsauce. Aber das Gasthaus „Millers­ Storchennest“ hat auch neue Rezepte rund um den Kren im Repertoire, zum Beispiel pochierten Bachsaibling mit geräuchertem Kartoffelstampf und karamellisierter Bete-Kren-Crème fraîche. Als Dessert gibt es gebackene Feige mit Meerrettich-Honig plus Joghurt-Meerretticheis.

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